Eschweiler Filmpost: Auf den Punkt gebracht – Der Mindestlohn in der Diskussion
Die Eschweiler Filmpost berichtet in ihrer Ausgabe vom 18.06.2008 über unsere Podiumsdiskussion vom 13.06.2008. Wir zitieren einen Bericht von Roswitha Eichberg.
“Mindestlohn bedeutet, dass bundesweit festgelegt werden soll, welcher Bruttobetrag jedem Arbeitnehmer im Arbeitsprozess mindestens zustehen soll, wenn er abhängig beschäftigt wird”, dieser kurzen Begriffserklärung von Wilfried Haas, Rechtsanwalt und Vertreter der Vereinigten Unternehmerverbände Aachen, konnte auch Rainer Schmeltzer, SPD-Fraktionsvize im nordrhein-westfälischen Landtag mit dem Schwerpunkt Arbeitsmarkt, nur zustimmen. Aber wie Ludger Bentlage, der als Gewerkschaftssekretär auf drastische Missstände in einigen Problembereichen hinwies, legte Schmeltzer besonderen Wert auf die Feststellung, dass mit diesem Lohn auch ein gerechter Lebensunterhalt zu finanzieren sein müsse, und verwies auf einen Absatz der europäischen Sozialcharta: „Alle Arbeitnehmer haben das Recht auf ein gerechtes Arbeitsentgelt, das ihnen und ihren Familien einen angemessenen Lebensstandard sichert.” Aufgrund schlecht funktionierender Tarifautonomie und einer steigenden Tendenz zum Niedriglohn zeichne sich immer deutlicher eine soziale Schieflage ab – aber über mögliche Wege aus dieser Schieflage heraus gab es bei der Juso-Veranstaltung der Reihe „Auf den Punkt” unterschiedliche Ansichten.
Bentlage und Schmeltzer kritisierten besonders den Trend der Betriebe in Deutschland, sich durch Trennung von den Arbeitgeberverbänden aus der Tarifverantwortung zu lösen und so Angst und Armut trotz Vollzeitarbeit Tür und Tor zu öffnen. Mit seiner Behauptung: „Wir haben heute den freien Fluss des Kapitals und durch die Leiharbeit und die so genannten billigen Arbeitsplätze die Möglichkeit, Arbeitslosigkeit zu bekämpfen”, heizte Wilfried Haas die fachkundige Diskussionsrunde unter der Moderation von Patrick Nowicki weiter an.
Hierzu konterte Achim Schyns, SPD-Stadtverordneter und Gewerkschaftssekretär der IG Metall, im Anschluss an die Podiumsrunde im Talbahnhof: „Eigentlich dürfte niemand solch schlecht bezahlte Arbeiten annehmen, aber die Menschen nehmen sie an, da sonst Sperren beim ALG I und II drohen.”





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