Kommentar: Jürgen Rüttgers – Das politische Sparmenü
Ein kurzer Handschlag, ein beiläufiger Blick und dann ab zum Rednerpodium. Ein Bauernopfer a` la Rüttgers. Zugegebenermaßen: Er kann ja wirklich nichts dafür, dass er zum Verkauf für liquide Politiksponsoren, nennen wir sie mal zurückhaltend „Totengräber der Grundfesten der deutschen Demokratie“, angeboten wird. Pardon, sagte ich Verkauf? Ich meine natürlich Vermietung! Er ist ja angeblich gar nicht käuflich. Wenn man ihn nämlich für seine Sache gewinnen will, so gibt es ihn für 30 Minuten im Sparmenü mit 15 Quadratmetern Ausstellfläche am Parteitag und einer kleinen Cola für 20.000€. Ist aber diese Summe für den kleinen Geldbeutel eines gewöhnlichen Mittelständlers zu hoch, so kann auf Wunsch für 14.000€ ein KidsMenü mit bürgernahem Rundgang, einem Spielzeug nach Wahl und einer geringen Ausstellfläche erworben werden.
“Nein, es hat keine derartigen Einzelgespräche gegeben“, so Rüttgers. Anscheinend hat man sich wohl etwas bei den Preisen verkalkuliert, wenn die Nachfrage so ernüchternd ist?
Vielleicht liegt es aber einfach auch nur an der maßlos gescheiterten Bildungspolitik. Immerhin kann man das Wort „Bildung“ in Deutschland nicht ohne „Dung“ schreiben. Neben mittelalterlichen Kopfnoten und einer überhasteten Einfuhr eines Turboabiturs hat es die Landesregierung sogar geschafft, durch Studiengebühren das Studium zum Privileg zu machen. So viel zur „Bildungsoffensive“.
Und noch was: “Ich habe die Briefe an die Sponsoren nicht gekannt. Als ich davon erfahren habe, habe ich den Generalsekretär angewiesen, dies sofort zu beenden.” Vielen Dank für diesen rhetorischen Kartoffelbrei. Gesetzt dem unwahrscheinlichen Fall, dass diese gewagte These in irgendeiner Art und Weise zu halten ist: Ist es denn von einem Chef zu viel verlangt, zu wissen, womit sein Generalsekretär im Zimmer nebenan sich beschäftigt? Gewiss, welcher Arbeitgeber weiß so etwas schon.
Dafür ist ein Arbeitgeber auch nicht zuständig. Dieser ist nur dafür zuständig, den Kommunen das Geld zu entziehen, Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst kleinschrittig Mitbestimmungsrechte zu entziehen, sozial Schwachen das Studium zu verwehren, sich dezent von der Bundespolitik zu distanzieren, obwohl man den Koalitionsvertrag im eigenen Haus mitentwickelt hat und dabei immer schön zu lächeln. Das ist eh das wichtigste. Immer lächeln. So mutiert man in der Öffentlichkeit zu „Opa Jürgen“. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.





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